L - wie Life, LA, Lust, Lady...

I'm your man... Im Untergeschoss eines Parkhaus performt Ivan (Kelly Lynch), mit tiefer Stimme, im 80er New Wave Suit, Leonard Cohens Mann für alle Gelegenheiten: Lover, Boxer, Driver, Friend, Doctor... Pam Grier lehnt am Auto, sichtlich gerührt. Seit »Jackie Brown« hat Pam Grier ein wenig zugenommen und inmitten der erfolgreichen, smarten, blendend wirkenden »L Word« Protagonistinnen (Jennifer Beals, Mia Kirshner, Leisha Hailey, Katherine Moennig u.a.) um die dreißig, behauptet sie eine unbeschreiblich eigenwillige Präsenz. »Sorry, I'm a straight woman, I love men.« Mit diesen Worten hatte sie am Tag zuvor versucht, falsche Hoffnungen aus der Welt zu räumen. Ivan ist kein Mann im klassischen Sinne, sondern irgendwas zwischen Transgender, Drag-King, Something, rührend um das Wohlergehen Pam Griers alias Kit besorgt. Und da Kit auch nicht zu sagen vermag, was genau sie eigentlich will, kontert Ivan, dass sie dann auch nicht wissen könne, ob er/sie ihre Bedürfnisse nicht doch zu erfüllen vermag. Die Antwort bleibt uns die erste Staffel schuldig. Wie so viele andere Antworten auch. Wohlgemerkt: wir reden nicht von Independent Kino, sondern von Prime Time TV, von Hollywood und nicht von HBO.

Wer in den letzten Jahren us-amerikanische Serien wie »Six Feet Under«, »Sopranos«, »OZ« oder auch »Buffy« ein wenig studiert hat, weiß, dass es gegen Ende der jeweiligen Staffel meist eine Folge gibt, die komplett aus der Reihe zu fallen scheint. Die auf beinahe surreale Weise nochmal all die Emotionen und Erzählstränge zu bündeln vermag. Bei »The L Word« verdichten sich in den besten Momenten die alltäglichen Plaudereien, Verhältnisse und Stories rund um das Grüppchen eben erwähnter Frauen, die regelmäßig im Cafe »The Planet« abhängen, zu Images von Race, Class, Sex und Gender. Ähnlich wie bei »Six Feet Under« beginnen manche Folgen mit einem knapp skizzierten Ereignis, das mit dem Rest der Handlung und der Figuren auf den ersten Blick nichts zu tun hat. Jedoch später wieder aufgegriffen wird, sei es als Dialog, als Figur, als Bild. Auf diese Weise schleicht sich Theorie in die Fernsehserie. Manchmal schimmern dabei auch neue Lösungen auf, die all den postmodernen Beziehungs-Bedürfnisse gerecht werden könnten. Die Kleinfamilie jedenfalls scheidet bei »The L-Word« bisher aus - auch wenn das Langzeit-Vorzeigepärchen Bette (Jennifer Beals) und Tina (Laurel Holloman) im Pilot genau diese Lösung so entschlossen anstreben und es etliche Folgen so aussieht, als wären sie damit erfolgreich.

Neben der strukturellen gibt es allerdings auch personelle Überschneidungen mit »Six Feet Under«. Vor allem Rose Troche (»Go Fish« 1994), die sowohl den Pilot von »The L Word« gedreht hat, und neben der Initiatorin der Serie Ilene Chaiken am häufigsten als Co-Produzentin, Autorin und Regisseurin gennant wird. Aber auch Filmemacherinnen wie Lynne Stopkewich, Lisa Cholodenko oder die langjährige Gefährtin von Rose Troche, Guinevere Turner haben ihren festen Platz in »The L Word«, genauso wie in »Six Feet Under«. Details zum Casting, zu hetero Schauspielerinnen in Lesbenrollen, zur us-amerikanischen Rezeption und zum diffizielen Setting von Sexszenen, kann man sehr ausführlich auf der Webseite nachlesen. Interessant ist dabei unter anderem, dass Ilene Chaiken immer wieder betont, es ginge ihr zu allererst darum, das vielfältige Leben der Lesbenszene abzubilden. Also story-telling als politisches Statement und nicht umgekehrt. Den Vorwurf, die »L-Word« Protagonistinnen seien, ähnlich wie in »Sex and the City« unverhältnismäßig gut aussehend und beruflich zu erfolgreich, kontert Chaiken einerseits mit der Empfehlung, einschlägige Cafes in LA aufzusuchen und reagiert gleichzeitig mit der Weiterentwicklung neuer Figuren. Ein möglichst breites Spektrum abzudecken, daran sei ihr sehr gelegen.

Annett Busch